Entstehung

Der Beke Viadukt in 1:87

Irgendwann im Jahre 2001 kam von einigen Mitgliedern der Vorschlag, die Vitrine im Museum neu zu gestalten, um auch der Bezeichnung Eisenbahnmuseum gerechter zu werden.

Die erste Überlegung war natürlich eine Modellbahnanlage, die auch in der Lage ist, alleine fahren zu können. Mit dieser Idee haben wir dann geplant. Wir haben uns den Nebenraum der Vitrine angesehen und überlegt, dort einen Schattenbahnhof zu bauen. Allerdings kamen schon bald die Probleme, dass man nicht so viele Möglichkeiten hat, weil der Platz eben sehr begrenzt ist.

Plötzlich machte unser Landschaftsbauer Friedhelm Schäfer den Vorschlag, den Viadukt nachzubauen. Der Vorschlag wurde im Verein diskutiert und es bildeten sich zwei Lager. Die Einen waren begeistert und die Anderen waren der Meinung, dass man den Viadukt nicht mal eben nachbauen kann. Sie waren der Meinung, dass man schon enorm viel Arbeit investieren müsse, wenn der Viadukt auch gut aussehen soll. Es sollte nicht nur ein Nachbau sein, sondern ein im Detail getreues Werk im Maßstab 1:87, bei dem die Fassade mit gegossenen Gipsplatten beklebt und dadurch ein verblüffend echtes Aussehen erhält.

Wir kamen zu dem Ergebnis, dass man ein solches Projekt nicht an einem Vereinsabend pro Woche umsetzen kann. Und Friedhelm Schäfer erklärte sich bereit, das Projekt zu übernehmen und den Viadukt zu Hause bauen, damit er jeden Tag daran arbeiten kann.

Es wurde eine Zeit von 6 Wochen vereinbart, damit Friedhelm in Tests und Proben feststellen konnte, ob eine qualifizierte und sehenswerte Arbeit für die Ausstellung im Museum machbar ist. Das Ergebnis sollte durch die Erstellung eines Prototyps dokumentiert werden.

 Die Planung

Bevor Friedhelm irgendein Modell bauen konnte, benötigten wir erst mal ein paar Maße vom Viadukt. Unser damals noch Vorsitzender Hans-Josef Jockel organisierte eine Viaduktbegehung mit dem Bundesgrenzschutz, um jegliche Probleme zu vermeiden.

Wir haben also verschiedene Maße vom Viadukt genommen. Einige Maße lassen sich so leider nicht genau abnehmen, weil man nicht überall dran kommt. Es wurden Bilder und Zeichnungen gemacht, wie das Gleisbett aussieht, wie hoch die Betonkanten im Vergleich zur Schiene stehen usw.

Nach einigen Berechnungen und überlegungen wurde dann eine erste Holzkonstruktion gebaut. Diese Holzkonstruktion hatte noch kein Mauerwerk. Friedhelm hatte nur einen Pfeiler dazu gebaut, der mit den Mauerplatten beklebt war.

Nachdem die Vorplanung abgeschlossen war, ging es los mit dem Bau eines ersten Musters. Auch dieses war nicht so ganz einfach zu bewältigen: Wie kann man die im Modell winzigen Klötzchen oben am Viadukt herstellen? Wie kann man eine Gießform selbst herstellen? Wo bekommt man Material her und wie kann man eine stabile. maßhaltige Holzkonstruktion bauen, bei der keine Metallteile verwendet werden usw.

Der Bau einer Form

Eines der großen Probleme wurde durch die Herstellung einer Negativform für den Portalbogen. Dort mussten sich alle charakteristischen Merkmale des Viaduktes wiederfinden.

Die Betonklötzchen wurden einzeln aus einer 3 mal 4 mm starken Holzleiste mit einer Dekupiersäge ausgeschnitten und auf die Vorlage für die Form aufgeklebt. Jeder Fehler bei der Herstellung hätte sich in 48facher Ausführung wiedergespiegelt.

Bei der Holzkonstruktion wurde großer Wert darauf gelegt, dass sie möglichst formstabil ist, denn wenn sich die Konstruktion verzieht, könnten die empfindlichen Gipsplatten platzen.

Wenn man die Holzteile aneinander geschraubt und geleimt hätte, wäre sie schon recht stabil gewesen, nur leider war dies nicht möglich, weil aussen keine Metallteile wie Schrauben und Nägel sein durften. Wenn später die Gipsplatten angeklebt worden wären, dann wären die Metallteile durch den flüssigen Kleber unter Umständen angefangen zu rosten und der Rost zieht sehr schnell durch Gipsplatten und hätte für äußerst hässliche Verfärbungen gesorgt.

Wie abgesprochen, stellte Friedhelm im Dezember des Jahres das Ergebnis seiner Versuche in Form des Prototyps vor.

Bevor man den Viadukt nun bauen konnte, war eine intensive Planung, Zeichnung und Berechnung nötig. Dabei kam es natürlich zu Problemen, wenn man versucht, einen Plan von über 5 m Länge in der Wohnung zu zeichnen, weil man meistens keinen so großen Raum zur Verfügung hat, der es dann auch noch ermöglicht, den Radius zu zeichnen.

Trotzdem konnte es endlich mit dem Bau des endgültigen Viadukt-Modells losgehen. Allerdings war die auch nicht so einfach, obwohl man ein erstes Testmodell gebaut hatte. Die Schwierigkeit war jetzt, wie man das Holz für den Unterbau in den richtigen Radius gebogen kriegt.

Aber Not macht erfinderisch. So konnte im Garten mit einem Drahtzirkel der Radius von 10,8 m einschließlich Innen- und Außenradius und des Segmentwinkels genau festgelegt und auf eine Schablone aufgezeichnet werden.

Die Unterkonstruktion

Das Herzstück des Modells ist die Fahrtrasse als Stabilisator. Dort werden die Vorder- und Hinterseite sowie die Innenseiten der Pfeiler befestigt und müssen verwindungsfrei sein, da sonst die 4 mm starken Gipsplatten reißen oder abplatzen können.

Dieses Problem löste unser Schreiner und Eisenbahnfreund Hildebert Guntermann. 4 aufeinander geleimte Sperrholzplatten von 5 mm Stärke garantieren eine absolut verwindungsfreie Konstruktion. Nun konnte Hildebert nach der erstellten Schablone die Teile des Modells ausfräsen, damit ein gleichmäßiger Radius garantiert war. Auch der obere Rand am Modell und der Vorbau der Gruppenpfeiler mussten gefräst werden.

Den Gruppenpfeilern kam eine besondere Bedeutung zu, da Friedhelm sie als Teil eines Stecksystems benutzen wollte. So konnte das Viaduktmodell in 4 Teile mit je 5 Bögen und zwei Endstücke zerlegt werden. Durch das Stecksystem erkennt man keine Ansätze und Übergänge von einem zum nächsten Teilstück.

Die Gipsplatten

Der nächste Schritt war das Gießen der Gipsplatten. Basisplatten für die Verarbeitung an den Pfeilern (gegossen von Hans-Josef Jockel), Portalplatten über den Bögen aber auch gebogene Gipsplatten für die Innenbögen mussten genau und präzise gefertigt werden.

Das Schneiden, Anpassen und Kleben der Gipsplatten forderten eine große Konzentration, um das Gesamtbild in den gewünschten Rahmen zu setzen. Die Steinreihen sollten sich gleichmässig vom Anfang bis zum Ende des Viaduktes hinziehen. 2000 Teile und Teilchen mussten geschliffen und angepasst werden.

Nachdem nun alle Gipsteile an die Konstruktion geklebt waren, wurde das Geländer auf den Viadukt montiert. Dazu wurden die Löcher für die Geländerstützen in den Viadukt gebohrt und die Geländerpfosten wurden vorbereitet. In jede der 388 Messingstützen wurden 3 Löcher gebohrt. Insgesamt also 1164. Die fertigen Pfosten wurden dann auf Messingstangen aufgefädelt. Anschließend wurden die Pfosten in die gebohrten Löcher eingesetzt.

Die farbliche Gestaltung und Landschaftsbau

Nach diesem Schritt konnte es an die farbliche Gestaltung gehen. Dazu mussten erst mal die passenden Farben gemischt werden. Die Schwierigkeit bestand hier im Mischen der Farbe selber und dann noch in der Tatsache, dass man die Farben nicht genau nachmischen kann. Deshalb musste genug Farbe für die Gestaltung des gesamten Viaduktes angerührt werden. Das Mischen der Farbe war schon deshalb ein Problem, weil der Viadukt erst angemalt und dann patiniert werden musste. Unter patinieren versteht man die künstliche Alterung eines Modells. Dabei wird das Modell nach der ersten farblichen Gestaltung mit einem dunkleren Farbton überstrichen und anschließend sofort wieder mit einem Schwamm abgewischt. Dadurch, dass dies nicht so ganz genau gemacht wird, ergeben sich Schattierungen und die Mauerfugen werden hervorgehoben. Bei diesem Vorgang ändert sich natürlich auch die Grundfarbe. Es mussten also viele Versuche gemacht werden, um eine Farbe zu entwickeln, die nach dem Patinieren dem Viadukt möglichst ähnlich sieht.

Nachdem die farbliche Gestaltung des Viaduktes nun auch beendet war, ging es „nur“ noch um die landschaftliche Gestaltung rund um den Viadukt. Dazu wurde erst einmal ausgerechnet, wie viel Meter Landschaft auf jeder Seite des Viaduktes nachgebaut werden musste. Dann wurden unzählige Fotos gemacht, um eine Grundlage für das Gesamtbild des Viaduktes zu haben.

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