Digital

Digitale Mehrzugsteuerungen

Für viele Modellbahner stellt sich die Frage, ob sie analog oder digital fahren sollen. Dabei muß man sich zuersteinmal darüber klar werden, was man möchte. Wer nicht viel mit Kabeln und Elektronik zu tun haben will, ist sicher gut beraten, wenn er eine Digitalsteuerung kauft – So will es uns die Industrie jedenfalls immer erzählen. Geräuschmodul für analog? – Nein, das gibt es nur für Digital! usw. Ich möchte hier einmal ein paar Vor- und Nachteile digitaler Mehrzugsteuerungen aufzählen.

Was den Fahrstrom betrifft, muss man schon zugeben, dass der Anschluß mit ein oder zwei Ringleitungen recht einfach ist. Ehrlicher weise sollte man jedoch auch mal erwähnen, was Digital für Nachteile bringt, wenn wir den Preis des Umstiegs erst mal aussen vor lassen: Man hat fast keine Möglichkeit mehr, von aussen auf die Fahrzeuge einzuwirken! Sicherlich kann man eine Lok vor einem roten Signal zum Stehen bringen, aber das berühmte Licht an der stehenden Lok wird dann von dem roten Signal ebenfalls abgeschaltet. Viessman bietet jetzt Flügelsignale an, die bei HP2 eine Langsamfahrfunktion haben. Dazu wird bei HP2 ein Widerstand in den Fahrstrom geschaltet. Dieser bewirkt bei Digital auch je nach Wert ein digitales Ergebnis: Die Lok fährt weiter wie bisher oder die Lok steht.

Außerdem machen die Dekoderhersteller seit einiger Zeit Werbung für lastgeregelte Dekoder. Da muss ich mich doch fragen, für wen solche Produkte entwickelt werden? Gekauft wird soetwas ja und die Besitzer sind ganz stolz darauf soetwas zu haben. Aber ist es nicht eigentlich etwas für eine Spielzeugeisenbahn? Viele Spezialisten kaufen Loks, die teurer sind als ein Kleinwagen und die jede Niete haben wie in echt – beim Fahren allerdings sieht man dann nicht mehr genau hin. Echte Züge und besonders Dampfzüge werden an Steigungen langsamer. Deshalb hat es nichts mit dem Vorbild zu tun, wenn der Dekoder die Geschwindigkeit der Lok genau hält! Wer etwas vom Vorbild versteht, baut in Steigungsstrecken, sofern sie sichtbar sind, einen Widerstand in die Stromversorgung ein. Dieser führt automatisch durch die elektrischen Grundregeln dazu, dass der Zug LASTABHÄNGIG langsamer wird – Das ist Vorbildtreue! Und nicht durch aufwändige Elektronik, sondern durch einen einfachen Widerstand, den man für ein paar Cent beim Elekronikhändler kaufen kann. Aber leider funktioniert dieses auch nur bei analogen Bahnen.

Ein weiterer Nachteil ist der Preis, denn eine Digitalsteuerung ist nicht billig. Da aber die meisten Loks heute schon eine Digital Schnittstelle haben, ist der Umbau auch kein Problem mehr. Dazu muß einfach nur das Gehäuse der Lok geöffnet werden, der Kurzschlußstecker wird herausgezogen und der Digitaldeckoder wird eingesteckt. Und dann das Gehäuse wieder drauf und der Zirkus kann beginnen. Was in dieser grauen Theorie bei LGB oder Spur 0 Loks vielleicht noch funktioniert wird bei H0 oder N zu einem echten Problem! Wer möchte schon am Gehäuse einer 300,- Euro Lok herum fräsen, für die man lange sparen musste? Für den Start ins digitale Modellbahnvergnügen (?) braucht man einen speziellen Trafo, eine Zentraleinheit, ein Bedienteil, so viele Dekoder, wie man Loks hat und wenn die Anlage ein bisschen größer ist, braucht man noch weitere Trafos, Booster, … Preiswert ist das sicherlich nicht, auch wenn man über Jahre hinweg etwas dazu kauft, der Preis bleibt doch im Endeffekt der Selbe.

So, nun haben wir vielleicht doch eine Anlage auf eine digitale Mehrzugsteuerung umgebaut. Jetzt kommt der Nachbar, der Sohn oder sonst irgendein Bekannter dazu und möchte mitspielen. Das geht aber leider nicht so einfach, weil man dazu ja Zusatzgeräte braucht. Seien es nur zusätzliche Handregler oder aber komplette Zentralstationen, die richtig ins Geld gehen. Auch bei Analog braucht man dafür Zusatzgeräte, die aber im Selbstbau für ca. 10 – 15 Euro zu haben sind. Beim digitalen Mehrzugbetrieb kann man ja, wenn man alleine spielt mit einer Lokmaus auskommen. Ich bezweifele allerdings, ob das wirklich praktisch ist. Wenn wir dagegen mal ein analoges System betrachten und mal mit untertriebenen 150,- Euro für eine digitale Steuerung nachdenken, dann kann man für das gleiche Geld schon 10 analoge Fahrregler bauen, bei denen man einen direkten und vor allen Dingen schnellen Zugriff auf alle Loks hat. Wenn mal eine allein fahrende Lok entgleist, muss man schließlich schnell etwas unternehmen.

Und was den Mehrzugbetrieb betrifft, sehe ich ehrlich gesagt auch keinen rechten Vorteil. Man kann Loks in der einfachen Variante nur in einem geschlossenen Kreis alleine fahren lassen, also Regler aufdrehen und sich nicht mehr drum kümmern. Das kann man auch viel einfacher und vor allem viel billiger haben, als mit einem digitalen System. Was das Rangieren betrifft, muss man mal nachdenken, wofür man es denn brauchen würde, zwei Züge auf einem Gleis unabhängig voneinder fahren zu lassen. Bei analogen Anlagen wird der Bereich vor einem Signal für die Zugbeeinflussung sowieso immer getrennt, also ist es problemlos möglich, einen Zug in einen getrennten Gleisabschnitt z.B. vor einem roten Signal zu fahren und mit einer weiteren Lok Wagen an den Zug anzuschieben oder welche von dem abgestellten Zug zu holen.

Manche Digitalsteuerung kann auch die Weichen der Anlage einzeln oder sogar in Weichenstrassen schalten. Hierbei gibt es jedoch zwei Punkte zu bedenken: Die Kosten für ein solches System sind extrem hoch und die Bedienbarkeit ist extrem schlecht. Da wir ja alle sicherlich nicht beruflich und somit täglich an der Anlage stehen, hat man schnell mal die Adressen der Weichenstraßen vergessen. Rückmeldungen gibt es auch nicht. Außer man hat die noch teuerere Variante digital und Computer. Dann hat man die Vorteile eines Gleisbildstellpultes und Rückmeldungen. In den meisten Fällen ist man dabei jedoch begrenzt auf die Möglichkeiten des Programms (außer bei Gahler & Ringstmeier). Vorteile hätte hier derjenige, der programmieren kann, wenn man denn wüsste, wie die Schnittstellen der digitalen Steuerung programmiert werden. Kann man dies nicht erfahren, weil der Hersteller verständlicher weise lieber seine eigene Software verkaufen will, hat man Pech gehabt.

Eine herkömmliche Weichensteuerung ist preiswerter und viel besser zu bedienen. Auch für jemanden, der zum ersten Mal an der Anlage steht. Der Verdrahtung ist aufwändiger, aber diesen Nachteil hat man nur beim Einbau, eine schlechte Bedienung hingegen bei jedem Spielen mit der Anlage.

Und das Problem mit dem Merken der Adressen hat man auch bei digitalem Fahrbetrieb. Bei einer analogen Steuerung hat man weniger Stromkreise als Loks, so sollte man davon ausgehen, dass die Anlage bedienbar bleibt.

Noch ein Hinweis zur Verkabelung: Die viel zitierte Ringleitung ist auch nicht das Maß aller Dinge. Das erfährt man spätestens dann, wenn irgendwo auf der Anlage ein Kurzschluß entstanden ist und nichts mehr geht. Da die Ringleitung ja durch die gesamte Anlage läuft, wirkt sich ein Kurzschluß auch entsprechend weiträumig aus. Dabei einen Fehler zu finden bereitet selbst einem erfahrenen Elektroniker oft Kopfschmerzen und dauert sehr lange. Bei einer analogen Steuerung sind die Stromkreise kleiner und der Kurzschluß begrenzt sich auf einen der Stromkreise und dadurch auch nur auf einen kleineren Bereich.

Jetzt stellt sich noch die Frage, welche Steuerung gekauft werden soll. Dazu sollte man sich überlegen, was damit gemacht werden soll. Stationäre Steuerpulte haben den Nachteil,dass man damit nicht an der Anlage entlang gehen kann. Wenn z.B. rangiert wird, ist es schön, wenn man entkuppeln kann und kann von da aus gleich los fahren. Bei Steuerungen z.B. von Märklin, Arnold usw., gibt es diese Möglichkeit nicht, weil die Pulte fest installiert werden (außer der Arm ist lang bzw. die Anlage klein genug). Bei der Fleischmann FMZ und bei einer Steuerung von Trix gibt es Handregler. Diese werden mit Din-Steckern angeschlossen, die es früher bei Audio Geräten gab. Diese kann man im Elektronik Handel kaufen. Man kann sich dann Verlängerungskabel machen und die Buchsen vorne in die Anlage einbauen. Dann nimmt man seinen Regler mit und steckt ihn an dem Bahnhof wieder ein, wo man jetzt fahren möchte. Gleiches kann man sich bei analogem Fahrbetrieb für 10 – 15 Euro selber bauen.

Wenn man mit mehreren Leuten fahren will, ist die FMZ von Fleischmann eine interessante Alternative. Hier kann eine analoge Lok fahren und es können bis zu 8 Handregler angeschlossen werden, die preiswert sind und vorne einfach in die Zentrale eingesteckt werden. Sie besitzen lange Kabel, sind handlich und da handelsübliche Stecker verwendet wurden, können die Kabel billig verlängert werden. Gleiches gilt für Trix.

Stationäre Systeme wie die alte Steuerung von Märklin haben den Nachteil, dass die Geräte aneinander gesteckt werden. Wollen hier 8 Leuten fahren, stehen sie sich gegenseitig ziemlich auf den Füßen.
 
Was haben wir also gesehen?
Die Vorteile einer digitalen Mehrzugsteuerung liegen in einem teilweise einfacheren Aufbau, Mehrzugbetrieb auf einem Gleis (bei analog auch bedingt möglich), Licht in stehenden Fahrzeugen (ist bei analog mit einer kleinen Zusatzschaltung ebenfalls möglich) und währernd der Fahrt zuschaltbaren Sonderfunktionen.

Die Nachteile sind extrem hohe Kosten, kompliziertere Fehlersuche, teuere Ersatzteile, teilweise schlechte Bedienbarkeit, keine Möglichkeiten den Zug automatisch beeinflussen zu lassen.

Da die Mehrzugsteuerung, wie beschrieben, in den nutzbaren Grenzen bei analogem Fahrbetrieb ebenfalls möglich ist, Licht bei stehenden Fahrzeugen ebenfalls (sogar teilweise ohne Umbau am analogen Fahrzeug) möglich ist, bleibt für mich nur noch der Vorteil der schaltbaren Sonderfunktionen übrig. Was kann man damit machen? Das Licht während der Fahrt ein- und ausschalten? Ein Geräusch auslösen? Das Licht während der Fahrt ausschalten zu können ist kein Grund, 500 bis 1000 Euro auszugeben. Und Geräusche? Was könnte wohl während der Fahrt geschaltet werden müssen? Eine Pfeife? Gepfiffen wird normalerweise nur vor einem Bahnübergang, da ist es billiger ein preiswertes Modul am Bahnübergang oder vor einem Tunneleingang einzubauen.

Sie sehen also: Es gibt keinen Vorteil, der wirklich 500 bis 1000 Euro wert wäre – oder sehen Sie das anders?

Ich bin für Anregungen zu diesem Thema immer dankbar: info@altenbekener-eisenbahnfreunde.de

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