Alternativen

Alternativen zum Viadukt

Ein denkbarer Eisenbahnknoten in Paderborn

Der erste Weltkrieg ließ eine ganze Reihe von Plänen verfallen, die vom Ausgangspunkt Paderborn den Teutoburger Wald mit mehreren Eisenbahnlinien auf breiter Front zu überschreiten trachteten oder in die entgegengesetzte Richtung analog zum Straßenknoten (Bundesstraße 1 und Bundesstraße 64) direkte Verbindungen nach Münster, Bremen und Frankfurt am Main herstellen wollten. Wenn auch die Zeit darüber hinweggegangen ist, so mag es doch reizen, sich im Hinblick auf den späteren Luftkrieg den möglichen Ausbau der Eisenbahn vorzustellen.

Falls die Fertigstellung der Strecke von Paderborn über Lichtenau nach Warburg während der revolutionären Wirren von 1848 nicht gescheitert wäre, weil der Tunnel bei Willebadessen aus Geldmangel unvollendet blieb, hätte die später tatsächlich gebaute Strecke Altenbeken – Neuenheerse – Warburg über den Eggekamm keinen Sinn mehr gemacht. Eine Strecke Paderborn – Altenbeken – Ottbergen dagegen wäre durchaus zweckmäßig gewesen, da Paderborn mit dem nach Osten gerichteten Sackbahnhof nun eisenbahnmäßig eine ähnlich exponierte Lage eingenommen hätte, wie später Altenbeken mit der scharfen Kurve am Fuße des Gebirges. Es hätte nahe gelegen, eine weitere Eggeüberquerung von Paderborn aus beginnen zu lassen. Die Frage wäre vielleicht gewesen, ob die Bahn über Marienloh auf der Tieflinie des Beketales an die Egge herangeführt worden wäre und ein altes Tunnelprojekt von 3000 m Länge auf der Talsohle, aber gleichzeitig mit wesentlich günstigeren Neigungsgradienten aufgegriffen hätte, oder aber die später tatsächlich verwirklichte Trasse um Benhausen herum auf halber Höhe am Südhang des Beketales benutzt hätte. Im ersten Fall hätte Altenbeken ähnlich wie Neuenbeken einen kleinen Bahnhof an einer Durchgangslinie erhalten – für einen möglichen Luftkrieg ohne Interesse. Im Zweiten Fall wäre ein Viadukt entstanden, wie er später tatsächlich gebaut wurde; dieser hätte aber nur die Aufgabe gehabt, zwecks Verkürzung des Tunnels die Durchgangsstrecke nach Osten auf ein höheres Niveau zu heben. Die Wahrscheinlichkeit einer Entscheidung für die technisch riskante, aber betriebswirtschaftlich günstigere Lösung mit Tunnel auf der Talsohle wäre durch einen späteren Bautermin größer geworden, da die Tunnelbautechnik inzwischen Fortschritte gemacht hatte und der Bau des Viaduktes überflüssig geworden wäre. Ob die östliche Tunnelöffnung später eine Strecke von Hannover auf sich gezogen hätte, bleibt offen. Das wäre sicher nicht der Fall gewesen, wenn die ebenfalls diskutierte Strecke Paderborn-Horn-Steinheim gebaut worden wäre. Auch eine Strecke von Paderborn über Schlangen-Augustdorf-Dörenschlucht-Lemgo hätte die Hannoversche Linie auf sich ziehen können.

In diesem Fall hätte sich ein Eisenbahnknoten in Paderborn gebildet und den vorhandenen alten Straßenknoten ziemlich genau überlagert. Der Charakter des Netzes hätte sich merklich gewandelt, da jetzt statt nur einer Annäherungsstrecke mit zwei Übergängen über die Egge drei bis vier von Paderborn ausgehende Annäherungsstrecken an Egge und Teutoburger Wald mit ebenso vielen Übergängen vorhanden gewesen wären. Der Stellenwert Altenbekens wäre auch bei Vorhandensein eines Viaduktes wesentlich vermindert worden, rein rechnerisch um zwei Drittel bis drei Viertel. Andererseits wäre ein Eisenbahnknotenpunkt Paderborn bedeutender geworden, als die Summe der sich später auf Altenbeken und Paderborn vereinigten Linien dies andeutet.

Der vorgesehene fünfgleisige Ausbau der Strecke südlich von Paderborn läßt sich erkennen, dass ein großzügiger Ausbau der Linien noch nach 1900 vorgesehen war.

Newsletter Anmeldung
Die Newsletter werden über größere Änderungen auf der Internetseite informieren und über bevorstehende Ausstellungen und Aktionen der Eisenbahnfreunde (vermutlich max. 10 Mails pro Jahr).