Aufbau

Der Bau des Altenbekener Viaduktes

Aus einem Bericht des Vorsitzenden der Bahnbaudirektion Henz an den König, bei der Einweihungsfeier über den Viaduktbau:

… Am 8. Juli 1851 legte der Herr Handelsminister den Grundstein zum größten Bauwerke der Bahn, dem 1530 Fuß (ca. 480 Meter) langen Altenbekener Viadukt. und so kann dieser Tag als der eigentliche Beginn des Baues bezeichnet werden. Bald darauf begann aber eine nicht enden wollende Reihe von Hindernissen, Widerwärtigkeiten und Gefahren. Das Wetter wurde schlecht und immer schlechter; Sturm und Regen vertrieb die Arbeiter aus der unwirtbaren Gegend. Die Wege wurden grundlos und waren bedeckt mit gefallenen Pferden und zerbrochenen Wagen. Das Baumaterial in der Nähe erwies sich als ungenügend, meilenweit wurde das Gebirge durchwühlt, um besseres zu erlangen und dieses mußte noch aus weiter Ferne herangeschafft werden. In Folge des unaufhörlichen Regens traten nun noch wie damals in verschiedenen Gegenden Bergstürze und Erdabrutschungen ein, welche die mühsam geförderten Arbeiten zu vernichten drohten und teilweise auch zerstörten. Diese Verhältnisse gestalteten sich im folgenden Jahre 1852 noch ungünstiger und Wenige glaubten noch an das Gelingen des Baues. Nur das unter den verzweifelten Verhältnissen uns geschenkte Vertrauen hat uns den Muth und die Kraft gegeben, die Elemente zu bekämpfen und mit Gottes Hülfe endlich zu besiegen…

Während die für den Altenbekener Viadukt erforderlichen Kalksteine größtenteils in der Nähe der Baustelle zur Verfügung standen, mußten die Sandsteine von Feldrom, Neuenheerse, Schwaney, Herbram, Hanstein, Bodental und Sundern herangeschafft werden. Sand war in den benachbarten Wäldern ausreichend vorhanden. Die Ecksteine für die Pfeiler des Viaduktes holten Altenbekener Bauern mit Pferdefuhrwerken von Wrexen an der Diemel. Drei Tage wurden benötigt, um einen behauenen Stein im Gewicht von 30 Zentnern (1500 kg) von den Steinbrüchen zur Baustelle zu schaffen. Da in der damaligen Zeit noch keine Bagger oder ähnliche Großbaumaschinen zur Verfügung standen, mußten die gewaltigen Erdbewegungen zur Herstellung der Einschnitte und der hohen Bahndämme im Handbetrieb mit Schubkarren, Hacken und Schaufeln ausgeführt werden.

Bedingt durch die landschaftliche Lage war die Überbrückung des Beketales mit enormen technischen Schwierigkeiten verbunden. Das Gelände war so beschaffen, dass der geplante Viadukt in einem Halbmesser von 940 m errichtet werden mußte.

So entstand das 495 m lange, gigantische Bauwerk, das in einer Höhe von 33 m mit 24 Bögen das Tal überspannt.

Das Mauerwerk wurde aus Muschelkalkstein und Traßmörtel hergestellt. Die Pfeiler haben in Kämpferhöhe (Die Stelle, wo der Pfeiler in den Bogen übergeht.) ein Ausmaß von 8,47 x 2,82 m, die Gruppenpfeiler ein solches von 8,47 x 5,65 m. Die Pfeiler mußten zum Teil wegen des nichttragfähigen und wasserreichen Untergrundes auf eingerammten Buchenpfählen von 0,40 bis 0,50 m Durchmesser, die etwa 8 m lang gewesen sein sollen, gegründet werden. Dieser Untergrund trägt den Viadukt nun seit über 150 Jahren und hält den täglichen Belastungen durch schwere Güterzüge stand.

Der eingerüstete Viadukt im August 1852

Für die Ausführung dieses Bauvorhabens hatte man das Bauwerk auf beiden Seiten in der ganzen Länge und Höhe eingerüstet, so dass Pferdefuhrwerke auf dem Gerüst entlang fahren konnten.

Während das Gerüst 89 000 Taler kostete, wurden für das Bauwerk insgesamt 573 000 Taler ausgegeben.

Für die Gerüstkonstruktion wurden Fichten in den heimischen Wäldern gefällt. Als Zimmerplatz für die Herstellung der Gerüsthölzer diente die nördlich der Landstrasse unterhalb des Viaduktes gelegene Wiese. Bei den Arbeiten am Gerüst ereignete sich auch der erste Unfall: drei Arbeiter stürzten von dem hohen Gerüst und fanden den Tod.

Für die technische Oberleitung dieses Bauvorhabens war der Eisenbahn – Bauinspektor Th. Weishaupt verantwortlich, die örtliche Bauleitung lag in den Händen des Baumeisters Kolkowsky und für die Ausführung waren die Bauunternehmer Koch, Merl und Ohlich aus Köln eingesetzt.

Nach der Fertigstellung am 13. Juli 1853 wurde die Probebelastung vorgenommen und am 21.7.1853 die neue Bahnstrecke durch König Friedrich Wilhelm IV. eröffnet.

„Ich habe geglaubt, eine goldene Brücke vorzufinden, weil so schrecklich viele Taler verbraucht worden sind!“

Diesen Ausspruch soll der König zu den Herren der Bauleitung getan haben, als er die riesige Talbrücke aus nächster Nähe betrachtete. Einige Tage zuvor erließ der damalige Landrat eine besondere Verfügung an die Gemeinde Altenbeken: „Die Strecke der Westfälischen Eisenbahn wird am 21.7.1853 durch seine Majestät Allerhöchst selbst eröffnet. Pfarrer, Vorsteher, Gemeinderäte und Schulkinder mit den Lehrern sollen sich versammeln, um der allerhöchsten Person des Königs ihre Ehrfurcht zu bezeigen. Bei Vorbeifahrt müssen alle Glocken geläutet werden. Schießen ist verboten. Auch dürfen keine Fahnen geschwenkt werden, wo sich seine Majestät aufhält, da sonst die Pferde scheu werden könnten.“

Nach der feierlichen Einweihung wurde der fahrplanmäßige Verkehr auf der zunächst eingleisigen Strecke aufgenommen. Von Warburg aus fuhr ein Personenzug um 8 Uhr und ein zweiter um 14.00 Uhr in Richtung Altenbeken – Paderborn. Von Warburg bis Paderborn brauchte die Bahn damals etwa 2 Stunden. In Paderborn hatten die Reisenden fast eine Stunde Aufenthalt, bevor sie ihre Fahrt nach Hamm fortsetzen konnten. In der Gegenrichtung fuhren ebenfalls nur zwei Züge von Hamm um 7.30 und 16.16 Uhr.

König Friedrich Wilhelm IV

Heinrich von Köppen  Leiter des Viadukt Baus

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