Wifo

Wifo und Bahnhof Neuenheerse

Der Bahnhof Neuenheerse liegt auf der Schwaneyer Gemarkung und gehört deshalb mit zur Gemeinde. Der Bahnhof selbst liegt genau genommen zwischen Herbram-Wald und Neuenheerse- Alte Ziegelei.

Der Bahnhof selbst wurde etwa zur gleichen Zeit erbaut, in dem man die Bahnstrecke gebaut hat, also um 1853. Der Bahnhof existiert heute leider nicht mehr.

Auf diesem Foto kann man ein Gebäude hinter dem Bahnhof sehen. Dies war ein Hotel und ist, nachdem es fast abgebrannt war heute ein privates Wohnhaus und steht noch. Somit kann man etwa erahnen, wo der Bahnhof gestanden hat, nämlich links neben der Brücke, die über die ehemalige Gleisanlage führt, wenn man aus Richtung Neuenheerse nach Herbram – Wald fährt.

Der Ort Herbram – Wald entstand erst im zweiten Weltkrieg aus der Wifo (siehe unten auf dieser Seite) bzw. nach dem zweiten Weltkrieg. Zu der Zeit, in der der Bahnhof Neuenheerse und die Bahnstrecke entstanden sind, diente dieser Bereich der Holzproduktion. Da die Wälder der Umgebung sehr viel Holz lieferten, bot dies im Zusammenhang mit der Bahn eine interessante Einnahmequelle. Das Holz wurde auf Plätzen rund um den Bahnhof Neuenheerse gelagert und dann auf die Bahn verladen. Das Holz wurde z.B. im Ruhrgebiet für die Gruben benötigt um die Decken abzustützen.


Die Wifo

Im zweiten Weltkrieg war Herbram – Wald immer noch ein wichtiger Holzlieferant. Diese Aufgabe wurde allerdings langsam etwas in den Hintergrund gedrängt.

Die Wirtschafts Forschungsanstalt baute dort eine Anlage, die unter dem Namen Wifo ( Wirtschaftliche Forschungsanstalt) bekannt war und beschäftigte sich mit der Zusammenstellung von Kraft- und Schmierstoffen. Hier wurde KEINE Munition hergestellt, wie es oft behauptet wird. Es wurden jedoch einige Stoffe dort gelagert und umgeschlagen, die man zur Herstellung von Munition benötigte.

In dem Gebiet der Wifo, dem heutigen Herbram – Wald, wurden die Bäume an den Stellen gerodet, an denen Wege und Gebäude entstehen sollten. Die Anlage wurde wohl in relativ kurzer Zeit errichtet und sehr gut getarnt. Alle Gebäude hatten Flachdächer, die dick begrünt waren. Einige Anlagen befanden sich in Bunkern, von denen heute noch einige existieren und andere zerstört, deshalb aber sichtbar sind.

Das gesamte Gelände war so gut getarnt, dass die Gegner im Krieg wohl keinen Verdacht geschöpft hätten, wenn die Anlage nicht von einem Unteroffizier verraten worden wäre. Dieser Mann hat sich später selbst erschossen. Die gesamte Anlage war eingezeunt. Der innere Bereich wurde von der SS überwacht, der Äußere von Kriegsgefangenen.

Der innere Bereich war schon durch die Straßen, die zu großen Teilen im rechten Winkel angeordnet sind, in Distrikte unterteilt. Die 50 – 60 Mitarbeiter, die im inneren Bereich arbeiteten, durften auch nur in bestimmte Distrikte hinein. Sie durften sich nicht frei in der Anlage bewegen.

In der Anlage wurde fast ausschließlich mit Elektrokarren gefahren, da man Angst hatte, dass Verbrennungsmotoren bei einem Unfall die Karftstofftanks in Brand setzen könnten. Außerdem hatte man für diese Fälle einen Feuerlöschteich mit Pumpstation und eine Feuerwehr Station eingerichtet.

Die Rohstoffe wurden vermutlich auf der Schiene per Tankwagen in die Anlage befördert. Die Kraftstoffe wurden in der Anlage zusammengestellt. Hauptsächlich wurden Kerosin (Flugbenzin) und Mischkraftstoffe (Kraftstoff Öl Gemische für 2-Takt Motoren) hergestellt. Die Rohstoffe waren in Hochbehältern auf dem Anlagengelände untergebracht. Auch diese Hochbehälter müssen sehr gut getarnt gewesen sein. Die Kraftstoffe wurden in der Anlage aus den einzelnen Komponenten zusammengemischt und in Hochbehältern eingelagert. Die Schweröle, die man auch für die Mischkraftstoffe benötigte wurden vermutlich in unterirdischen Tanks gelagert. Diese Öle haben den Nachteil, dass sie bei Kälte sehr schlecht fließen. Aus diesem Grunde waren Heizungssysteme entlang der Rohrleitungen installiert worden. Dabei handelte es sich um Rohre, die dicht an den Ölleitungen verlegt waren. Durch diese Rohre wurde heißes Wasser gepumpt um die Ölleitungen zu beheizen.

Die Anlage produzierte ihren gesamten Energiebedarf selbst. Dies passierte vermutlich mit einem Dieselgenerator – Kraftstoff war ja genug vorhanden. Die eigene Energieversorgung hatte den Vorteil, dass man von der Außenwelt unabhängig war. Es gab einen Bunker, der in den Plänen als Trafostation auftaucht. Vermutlich gab es hier nicht nur einen Trafo sondern auch den Generator. Auch dieser Trafo Bunker ist heute noch zu sehen. Leider wurde der Bunker aber durch Sprengung oder Angriff zerstört. Das Aussehen der Einbrüche lässt aber eine Sprengung vermuten.

Die fertigen Kraftstoffe wurden auf die Bahn verladen. Dies passierte entweder in Form von Tankwagen oder die Kraftstoffe wurden in Kanister oder Fässer gefüllt, die dann auf die Bahn verladen wurden. Außerdem gab es noch einige andere Stoffe wie Schmieröle, aber auch die bereits erwähnten Giftstoffe, die man z.B. für den Bau von Brandbomben benötigte. Diese Giftstoffe wurden in einer “Giftflaschenabfüllstation” abgefüllt und aufbewahrt. Das Gebäude existiert heute noch. Es wurde umgebaut und ist heute eine Werkstatt. Die Giftstoffe waren Abfallprodukte der Kraftstoffveredelung, die in der Anlage durchgeführt wurde. Aber auch die Schmieröle wurden abegfüllt und verladen. Angeblich wurden die Schmierstoffe sogar teilweise in 1-Liter Getränkeflaschen abgefüllt.

Auf dem Bereich des heutigen Spielplatzes lag ein ca. 400 m langes Abstellgleis. Dies lag aber nicht auf der Höhe des heutigen Spielplatzes sondern war etwas abgesenkt in der Erde – so wie ein Bahneinschnitt. An der oberen Seite des Spielplatzes, wo heute die Hütte steht, kam ein Bunker an. Dieser war nichts anderes als ein langer Gang, der so groß war, dass man bequem mit einem Bulli durchfahren kann. Dieser Bunker ist zwar nicht sichtbar und verschlossen, existiert aber heute noch und ist wohl in sehr gutem Zustand. Dieser Gang führte von der Abfüllanlage zu dem Verladegleis. In der Abfüllanlage füllte man die Kraft- und Schmierstoffe in Behälter ab, brachte sie vermutlich mit den Elektrokarren durch den Bunker zur Bahn und verlud die Behälter dann auf die Bahn. Dies war zwar umständlich, lies aber aus der Luft keine Rückschlüsse zu, was da eigentlich passierte. Die Verladung passierte wohl auch zu großen Teilen in der Nacht. Durch die Holzplätze in der Nähe sind Luftaufklärungsflugzeuge vermutlich von einem Verladegleis oder ähnlichem ausgegangen, wenn man die Anlage überhaupt überwacht hat.

Am Ortseingang von Herbram -Wald steht das Hotel Tannenhof. Dieses Gebäude war die Verwaltung der Anlage. Hinter dem Gebäude befindet sich ebenfalls ein Bunker, bei dem es sich um eine Art Luftschutzbunker für die Angestellten der Anlage handeln muss. In dem Bunker soll es eine komplette Küche geben. Weiter dahinter befand sich die Fahrzeuginstandhaltung. Davon stehen auch heute noch Gebäude.

Die Pumpstation der Anlage, in der sich die Pumpen befunden haben um die Kraftstoffe aus den Tankwagen in die Anlage und die fertigen Kraftstoffe wieder zurück zu befördern war in einem Bunker untergebracht. Auch dieser Bunker ist zerstört, vermutlich wurde er gesprengt.

Außerdem soll es noch einen speziellen Bunker gegeben haben, in dem man einen ganzen Zug verschwinden lassen konnte. Das konnte allerdings noch nicht bewiesen werden, wäre aber denkbar. Den Geschichten nach wurde dieser Bunker in den Sandstein der Egge gebaut. Man hörte damals von den Anwohnern der Alten Ziegelei die Geschichten, dass man nachts immer Baulärm gehört hätte, aber niemand hat gesehen, wo etwas gebaut wurde. Es wird behauptet, dass man die gesamte Baustelle mit großen Tarnnetzen versteckt gehalten hätte. Dazu noch die Bewachung durch die SS. Vermutlich hat deshalb niemand der Anwohner sein Leben aufs Spiel gesetzt, um etwas herauszubekommen.

Da die Mitarbeiter aus Gründen der Geheimhaltung die Anlage nur sehr selten verlassen haben, gab es in dem Bereich auch ein Kasino. Hier soll es sogar ein Varieté für die Angestellten gegeben haben. Es soll sich etwa an der Stelle befunden haben, wo heute das Golfstübchen steht.

Kommt man aus Richtung Schwaney durch den Wald über die neue Fahrrad Brücke, dann befindet sich vor dem Ortseingang von Herbram-Wald auf der linken Seite eine größere Bunkeranlage. Das war die Pumpstation. Auf beiden Seiten neben dieser Straße befanden sich vor dem Ort die Hochbehälter für die Rohstoffe und die fertigen Kraftstoffe. Kommt man dann in den Ort herein, befindet sich an der Kreuzung auf der rechten Seite das ehemalige Labor der Anlage. Das Haus steht heute noch und ist ein privates Wohnhaus. Hier wurden die Kraftstoffe zusammengestellt.

Solche Anlagen hat es auch in anderen Orten gegeben. Eine sehr große Anlage in Bremen ist später an die VTG verkauft worden und ist auch heute noch in Betrieb. Aufgabe der Wirtschaftlichen Forschungsanstalt war die Versorgung des dritten Reichs mit Kraft- und Schmierstoffen. Ein Netz aus 14 solcher oder ähnlicher Anlagen hat es im ganzen Land gegeben. Die nächste Anlage befand sich in Rüthen hinter Paderborn.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Herrn Klösener, dem Ortsheimatpfleger von Herbram-Wald bedanken, der mir sehr viele Informationen gegeben hat.

Diese Seite und die Unterseiten werden noch erweitert. Ich hoffe, auch mit weiteren Fotos…


Wifoplan

Einige Teile auf der Karte können angeklickt werden. Man kommt dann direkt zu der Seite, die das Teil beschreibt. Nicht jede der Unterseiten ist so zu erreichen.

Bahnhof
Holzplatz
Verwaltung
Verladung
Rampe
Hochbehälter
Feuer
Magazin
Kläranlage
Faßkeller
Bunker
Trafo
Labor
Ölbehälter
Hochbunker
Mischplatte

Die Karte wurde freundlicherweise von Silvia Fengler zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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